Facial Action Coding SystemDas 1978 zuerst publizierte Facial Action Coding System (FACS, engl. für „Gesichtsbewegungs-Kodierungssystem“)[1] ist ein unter Psychologen weltweit verbreitetes Kodierungsverfahren zur Beschreibung von Gesichtsausdrücken.[2] GeschichteDie erste Version des Systems wurde 1978[3] von Paul Ekman und Wallace Friesen entwickelt. Ihre wichtigste Grundlage war das Buch Man’s Face and Mimic [bzw. Facial] Language (Das menschliche Gesicht und seine mimische Sprache; Originaltitel: Människans ansikte och mimiska språket. 1969, Malmö: Studentlitteratur) des schwedischen Anatomen Carl-Herman Hjortsjö von der Universität Lund. Später wurde das System auf andere Arten übertragen, so zum Beispiel auf Schimpansen, Rhesusaffen, Gibbons, Orang-Utans, Hunde[4] und Pferde.[5] Anwendungsgebiete![]() Das Hauptanwendungsgebiet ist die Emotionspsychologie. Mit dessen Hilfe kann man beispielsweise ein echtes von einem gekünstelten Lächeln unterscheiden. FACS ist somit eine Technik zur Mimik- bzw. Emotionserkennung. Das Unter-Kontrolle-Bringen der an einem Gesichtsausdruck beteiligten Muskeln benötigt eine – wenn auch kurze – Zeitspanne. Während dieser Zeitspanne ist das zugrunde liegende Gefühl in einem vollständigen Gesichtsausdruck korrekt dargestellt. Danach wird der Ausdruck durch den Gesichtsausdruck ersetzt, den die Person darstellen möchte. Dieser Ablauf wird auf Deutsch als Mikromimik bezeichnet.[6] Eine anerkannte FACS-Kodierung muss üblicherweise von zwei unabhängigen, zertifizierten Kodierern erfolgen. Teil der Zertifizierung ist die Fähigkeit, die Einzelelemente des Systems mit dem eigenen Gesicht produzieren zu können. Zudem wird FACS immer häufiger als Basis für die Computeranimation von Gesichtsausdrücken eingesetzt, etwa in Filmen wie Beowulf, Benjamin Button oder Avatar. Aufbau der FACS-KodierungDas FACS ordnet nahezu jeder sichtbaren Bewegung der mimischen Muskulatur eine „Bewegungseinheit“ (engl. Action Unit, AU) zu. Hierbei handelt es sich um Einheiten, die eine einzelne oder mehrere Muskelbewegungen zusammenfassen. Mit dieser Klassifikation ist es möglich, Gesichtsausdrücke schriftlich zu notieren – vergleichbar der Notation von verbalen Ausdrücken mit geschriebener Sprache. Im FACS gibt es Paul Ekman zufolge insgesamt 44 solcher Einheiten, das Obergesicht umfasst 12, das Untergesicht 32 AUs. Die AUs im Untergesicht werden hinsichtlich der Richtung der Bewegungen unterteilt. So lassen sich horizontale, vertikale, schräge, kreisförmige und gemischte Aktionen unterscheiden. Die Kombinationen solcher Action Units werden bestimmten Emotionen zugeordnet. Auswahl aus der Liste der Bewegungseinheiten (Action Units)
Weitere Action Units beschreiben die möglichen Kopf- und Augenbewegungen. Kodierung der AusprägungsstärkeDie Stärke einer Bewegung wird im FACS durch einen fünfstufigen Rangwert ausgedrückt. Für jede AU wird im Handbuch explizit eine Zuordnungsregel angegeben. Meistens gilt:
Die Ausprägungsstärke ist nicht zu verwechseln mit der Ausdrucksstärke, da die Wirkung eines Ausdrucks nicht allein von der Stärke der Muskelbewegung abhängt. BasisemotionenPaul Ekman zufolge existieren sieben Basisemotionen. Diese sind: Wut, Freude, Trauer, Ekel, Verachtung, Angst und Überraschung. Diese Emotionen werden kulturübergreifend verstanden, denn ihre dazugehörigen Gesichtsausdrücke sind universal.[8] Im Folgenden eine Tabelle zu den sieben Basisemotionen nach Paul Ekman und den daran beteiligten Action Units.
EmFACSDas EmFACS steht für Emotion FACS und enthält nur jene Bewegungseinheiten, die zur Kodierung von häufigen emotionalen Gesichtsausdrücken (Freude, Trauer, Wut, Angst, Ekel und Überraschung) nötig sind.[16] Das System wurde von Paul Ekman und W. V. Friesen in den 1980er Jahren an der University of California, San Francisco entwickelt. ChimpFACSChimpFACS ist eine Anpassung zur Analyse des Gesichtsausdrucks von Schimpansen. Es ermöglicht einen direkten strukturellen Vergleich der Gesichtsausdrücke von Schimpansen und Menschen.[17] DogFACS![]() Im Jahr 2013 wurde FACS auf Hunde (englisch: dog) übertragen.[4] In der Studie, für die DogFACS entwickelt wurde, konnte gezeigt werden, dass Tierheimhunde, die AU101, das Hochziehen der Augenbraue, häufiger zeigten als andere, eher wieder ein Zuhause fanden als andere, also von potentiellen Interessenten bevorzugt wurden. F-M FACS 3.0Das F-M-Pionier-Gesichtsaktions-Kodierungssystem 3.0 (F-M FACS 3.0)[18] wurde im Jahr 2018 von Armindo Freitas-Magalhães erstellt und präsentiert 4.000 Segmente in 4K, mit 3D-Technologie, 360 3D und automatische und Zeiterkennung (FaceReader 7.1). Der F-M FACS 3.0 verfügt neben der funktionalen und strukturellen Nomenklatur über 8 Action Units (AUs) und 22 Tongue Movements (TMs). RelevanzAuch sogenannte micro expressions, d. h. Mikroausdrücke, können mithilfe des FACS identifiziert werden. Mikroausdrücke sind kurze, schnelle Gesichtsbewegungen mit einer Dauer von einem Bruchteil einer Sekunde (circa 1/12 bis 1/5 Sekunde). Sie treten plötzlich auf und verschwinden genauso plötzlich wieder. Daher sind sie in Zeitlupe gut zu erkennen. Außerdem sind sie i. d. R. leicht asymmetrisch. Mikroausdrücke geben die wahren Gefühle preis, lassen sich nicht verstecken und sind kaum zu manipulieren. Mithilfe von FACS lassen sich demnach nicht nur mimische Ausdrücke erkennen, sondern auch die dazugehörige Emotion. Aus diesem Grund wird die Methode des FACS auch von Institutionen wie der Polizei, dem FBI oder der CIA verwendet, um Kriminelle zu überführen.[8] Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
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